Acrylic Pouring im BQS+ Unterricht
Sprache entsteht im Tun
Am Standort Friedberg fand der Unterricht im Projekt PerjuF statt, in Kombination mit dem Programm „Berufsqualifizierende Sprachförderung Plus“ (BQS+). Die Zielgruppe bestand aus jungen geflüchteten Teilnehmenden unter 35 Jahren, die im Rahmen der Maßnahme sprachlich und beruflich gefördert werden. BQS+ wird von der Europäischen Union sowie aus Mitteln des Landes Hessen gefördert. Vor diesem Hintergrund wurde die Unterrichtseinheit als handlungsorientiertes Lernszenario geplant und durchgeführt.
Acrylic Pouring war in dieser Unterrichtsreihe mehr als ein Kreativprojekt. Es bot eine Möglichkeit, Sprache ganz praktisch im Arbeitsprozess aufzubauen. Während die Teilnehmenden Farben mischten, Techniken ausprobierten und ihre Ergebnisse beobachteten, entstanden genau die Situationen, in denen berufsbezogenes Deutsch gebraucht wird: etwas erklären, nachfragen, vergleichen, Entscheidungen begründen und im Team Absprachen treffen.
Am Anfang stand deshalb nicht die Theorie, sondern die Orientierung. Die Teilnehmenden überlegten zunächst gemeinsam: Welche Materialien brauchen wir? Was bedeutet eigentlich „Pouring“? Und wie kann man beschreiben, was man sieht – zum Beispiel Konsistenz, Mischverhältnis, Fließrichtung oder Zellbildung? Die Begriffe wurden nicht nur erklärt, sondern direkt an Beispielen gezeigt, wiederholt und in kurzen Sätzen eingeübt, damit sie im praktischen Arbeiten verfügbar werden.
Im praktischen Teil wurden die Techniken Dirty Pour, Flip Cup und Puddle Pour Schritt für Schritt eingeführt. Die einzelnen Arbeitsschritte wurden sprachlich begleitet, etwa mit klaren Satzmustern wie „Zuerst…“, „Danach…“ oder „Achten Sie darauf, dass…“. Ergänzend erhielten die Teilnehmenden kleine Sprechaufträge, damit sie ihre Handlungen nicht nur ausführen, sondern auch sprachlich beschreiben konnten. Auf diese Weise wurde der kreative Prozess zugleich zu einem Sprachlernprozess.
Besonders lebendig wurden die kooperativen Arbeitsphasen. Sobald mehrere Teilnehmende gemeinsam an einem größeren Bild arbeiteten, mussten sie sich abstimmen: Wer gießt wann? Welche Farben passen zusammen? Was möchten wir als Nächstes ausprobieren? Genau diese Absprachen trugen die Kommunikation und eröffneten viele Möglichkeiten für gezielte Sprachförderung – ohne dass es sich für die Teilnehmenden wie klassischer Unterricht anfühlte.
Am Ende stand nicht nur das fertige Bild auf der Leinwand, sondern auch die sprachliche Reflexion des Arbeitsprozesses. In kurzen Präsentationen beschrieben die Teilnehmenden ihre Technik, ihre Entscheidungen und ihre Herausforderungen. Dabei griffen sie zunehmend auf den zuvor erarbeiteten Wortschatz zurück. Eine moderierte Feedbackrunde half zusätzlich, Beobachtungen wertschätzend zu formulieren und eigene Eindrücke sprachlich klarer auszudrücken.
So wurde Acrylic Pouring zu einem Projekt, in dem kreatives Arbeiten und Sprachlernen selbstverständlich zusammenliefen: Handlung, Austausch und Reflexion – und Sprache als Werkzeug, um all das gemeinsam zu gestalten.
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