PUSCH - Küchenpraxis statt Klassenzimmer
Groß-Gerau | Ein Kochevent bringt Einblicke in die Welt der Gastronomie
In der PUSCH-Klasse der Johannes-Gutenberg-Schule stand kürzlich ein besonderer Praxistag auf dem Programm: Ein Kochevent mit Profis aus der Gastronomie – zugleich ein pädagogisches Projekt, das die Schülerinnen und Schüler in Teamarbeit, Organisation und praktischem Lernen förderte.
Zu Gast waren Herr Leon Glück, pädagogische Projektleitung des Ausbildungsrestaurants „Das Mangold“ in Bischofsheim und Koch Herr Rothbauer. Herr Rothbauer bringt über
30 Jahre Erfahrung in der Küche mit und begleitet seit 13 Jahren junge Menschen in der pädagogisch begleiteten Ausbildung. Im Restaurant „Das Mangold“ wird dabei alles frisch, regional und saisonal zubereitet, sodass die Auszubildenden direkt praxisnah lernen können. Besonders junge Menschen, die einen etwas schwierigeren Start in die Ausbildung haben – zum Beispiel, weil sie in der Schule noch nicht alles zeigen konnten, was sie können, Berufserfahrung fehlt oder Sprachkenntnisse noch nicht ausreichend aufgebaut sind – werden intensiv unterstützt.
Die Profis gaben den Jugendlichen zudem auch Einblicke in die Ausbildungsmöglichkeiten im Mangold, wo aktuell rund 30 Auszubildende durch Praktika oder Ausbildungsplätze gezielt in die Gastronomie eingeführt werden.

Von Einkauf bis Tisch – alles gemeinsam organisiert
Die Zutaten für das geplante Gericht – „Involtini vom Hähnchen auf tomatisierten Risoni mit Schnittlauchöl“ – wurden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern eingekauft. Dieses Gericht kombiniert italienisch angehauchte Hähnchenrouladen mit Risoni (reisförmige Nudeln) in einer Tomatensauce. Während die eine Hälfte einkaufte, organisierte die andere Hälfte die Küche und den Esstisch. So wurde Teamarbeit und Verantwortung geübt – ein wichtiger pädagogischer Ansatz des Projekts.
Praxis trifft Theorie – Einblicke in die Gastro-Welt
Händewaschen nach jedem Arbeitsschritt, saubere Arbeitsplätze und eine ordentliche Organisation gehören zum Alltag in der Gastronomie. Außerdem erhielten die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in die Küchensprache, in der viele Begriffe aus dem Französischen stammen – zum Beispiel mise en place, sauté oder julienne. Diese Fachbegriffe gehen zurück auf die klassische Haute Cuisine und das von Auguste Escoffier im Ritz-Hotel entwickelte System der „Brigade de cuisine“.
Dann ging es an die Praxis: Die Schülerinnen und Schüler erhielten ein Handout, planten die Arbeitsschritte gemeinsam und übernahmen Aufgaben in der Küche.

Das Gericht im Überblick
- Involtini: Hähnchenbrust schneiden, würzen, auf Putenschinken legen, einrollen,
in der Pfanne goldbraun anbraten und im Ofen fertig garen - Tomatensoße: Karotten, Sellerie, Zwiebeln anschwitzen, Dosentomaten und Wasser dazugeben, abschmecken
- Schnittlauchöl: Öl auf 60 °C erhitzen, Schnittlauch ziehen lassen, pürieren und abpassieren
Geplant war außerdem eine Korallenhippe als Dekoration – sie gelang nicht perfekt, doch das Gericht schmeckte allen hervorragend!
Technik, Tipps und Zeitmanagement
Herr Rothbauer zeigte bei der Zubereitung Schneidetechniken am Beispiel von Möhren, erklärte die „Kralle“ als Fingerschutz und gab weitere Profi-Tipps:
Teller und Schüsseln nicht laut aufeinanderstellen, Nudeln reichlich salzen, Reste sauber entsorgen. Alle Schülerinnen und Schüler hatten ihre Aufgaben.
Zwischendurch erklärten die Kochprofis, wie ein komplettes Gericht mit einem 500-Gramm-Steak für zwei Personen zubereitet wird – das dauert etwa 45 Minuten. Währenddessen beträgt die übliche Wartezeit für einen Hauptgang im Restaurant 20–25 Minuten.
Für die PUSCH-Schülerinnen und -Schüler war das Kochevent ein pädagogisches Highlight, das Praxis, Teamarbeit, Theorie und praktische Küchenarbeit miteinander verband. Gleichzeitig hatten alle viel Spaß beim gemeinsamen Kochen und Essen.
Ein besonderer Dank geht an Herrn Leon Glück und Herrn Rothbauer vom „Das Mangold“, die den Tag möglich gemacht und die Jugendlichen tatkräftig unterstützt haben – für den einen oder anderen vielleicht sogar ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Berufswelt.
PUSCH steht für Praxis und Schule. Das von der EU und dem Land Hessen finanzierte Projekt wird vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V. in Kooperation mit verschiedenen Schulen in ganz Hessen umgesetzt. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler deren Abschlussprognose nach der achten Klasse nicht sehr vielversprechend ist. Neben dem schulischen Ziel des Hauptschulabschlusses steht auch die Regelung einer Anschlussperspektive im Vordergrund.

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