bwhw e.V.


"Im Job" - Kongress der BAG ambulante berufliche Reha

2011 11 08 E WERK 417

Berlin – Über ihre Erfahrungen in der ambulanten beruflichen Rehabilitation tauschten sich über 200 Fachleute, Betroffene und Interessierte am 8. November beim Fachkongress „Im Job – individuell und inklusiv“ in Berlin aus. Veranstalter war die Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation [BAG abR] e.V. Ihr Ziel ist es, das breite Spektrum der ambulanten Leistungen deutlich zu machen, sowie Erfolge und neue Ansätze zu diskutieren. Die Veranstaltung wurde als Baustein zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zur Inklusion in Deutschland konzipiert.

 Als einen wichtigen Baustein für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung hat Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Arbeit der BAG abR e.V. gewürdigt. Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände [BDA] beschrieb die Rolle der BAG abR, deren Verdienst es sei, über den Nutzen der ambulanten beruflichen Reha zu informieren, als „gelebte Inklusion“.

 Die wichtige Bedeutung der ambulanten beruflichen Rehabilitation betonten in ihren Statements auch Uwe Minta, Bereichsleiter im Geschäftsbereich Produktentwicklung und Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit, Marion Götz, Leiterin des Bereichs Rehabilitationsrecht im Geschäftsbereich Sozialmedizin und Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung Bund, sowie Dr. Andreas Kranig, Bereich Versicherung und Leistungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V. [bwhw] und die anderen Mitglieder der BAG abR stellten anschließend ihre Projekte auf einem „Markt der Möglichkeiten“ vor und präsentierten das breite Spektrum der Angebote. Betroffene und Vertreter/-innen von Betrieben gaben Einblicke in ihre Erfahrungen mit Assessment, Beratung, Qualifizierung, Ausbildung und Eingliederung in Arbeit. Impulsreferate und Praxisbeispiele beleuchteten die unterschiedlichen Aspekte und Vorteile der ambulanten beruflichen Rehabilitation.

Das bwhw lud mit seinem Projekt die Besucher/-innen ein, sich mit den alltäglichen Herausforderungen im Umgang mit dem Thema Arbeit und Behinderung auseinander zu setzen. Das bwhw präsentierte ein erfolgreiches Praxisbeispiel aus dem von der Bundesagentur für Arbeit getragenen Projekt Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen [kooperativ] am bwhw-Standort Wetzlar.

 Die Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen [BaE] ermöglicht sozial benachteiligten und behinderten jungen Menschen, eine passende Berufsausbildung zu absolvieren. Besonderes Kennzeichen dieser Ausbildungsform ist eine intensive pädagogische und fachliche Begleitung der Teilnehmer/-innen an allen Lernorten. Der praktische Teil der kooperativen Ausbildung findet in ausbildungsberechtigten Kooperationsbetrieben statt. Neben der theoretischen Ausbildung durch die Berufsschule übernimmt das Bildungswerk als koordinierender Gesamtverantwortlicher die Akquise geeigneter Betriebe und bietet bedarfsorientierten Stütz- und Förderunterricht. Der lebensweltübergreifende Ansatz sichert Beratung und sozialpädagogische Unterstützung bei allen beruflichen und persönlichen Problemlagen.

 Anhand der persönlichen Situationsbeschreibungen wurden sowohl die betriebliche Perspektive, als auch die Perspektive eines Auszubildenden vermittelt. Das Zusammenspiel der Akteure bwhw [Bildungsträger], Die Golfmanufaktur [Kooperationsbetrieb] und des Auszubildenden wurden präsentiert durch Herrn Deyer [Koordinator der BaE am Standort Wetzlar], Herrn Gail [Geschäftsführer der Golfmanufaktur] und dem Auszubildenden Herrn Houari.

Neben der erfolgreichen Vermittlung eines Ausbildungsplatzes ist es in erster Linie das Aufeinandertreffen von besonderen Biografien, die dieses Beispiel aus der Praxis auszeichnet.

Herr Gail erlitt im Mai 2010 einen einschneidenden Arbeitsunfall. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma veränderte seine Sichtweise zu dem Thema Behinderung fundamental. Herr Houari leidet an einem angeborenen schweren Herzfehler. Im September 2010 begann Herr Houari eine BaE- Ausbildung im Berufsbild des Bürokaufmanns im Betrieb von Herrn Gail. Nach seiner eigenen Aussage hätte Herr Gail einen schwerbehinderten Auszubildenden wie Herrn Houari vor seiner eigenen Behinderung nicht eingestellt. Heute ist Herr Houari bereits im 2. Ausbildungsjahr und sehr erfolgreich.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden die Eindrücke und Ergebnisse des Tages zusammengefasst. In seinem Fazit unterstrich der Vorsitzende der BAG abR, Richard Nürnberger, das große Potenzial der ambulanten beruflichen Rehabilitation sowohl zu Gunsten der Menschen mit Behinderung als auch zum Nutzen der Unternehmen. Der Kongress habe gezeigt, wie die ambulanten Leistungen zur Teilhabe im harmonischen Dreiklang von Rehabilitanden und Rehabilitandinnen, Unternehmen und Leistungsträgern gelingen können.

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Letzte Änderung: 23.11.2011, 09:38 Uhr